Marcelo Brodsky - Poetics of Resistance: Berlin, Wassertorstr. 62

17 August - 15 September 2019

Der 1954 in Argentinien geborene Künstler hat über die letzten fünf Jahrzehnte schrittweise eine einzigartige, auf der Wechselwirkung von zumeist journalistischen und archivalischen Fotografien und schriftlichen Notizen basierende Poetik entwickelt, um sein Ziel zu erreichen, nämlich die Aktivierung persönlicher und kollektiver Erinnerung zur Vermittlung einer Botschaft des Widerstands, die die Menschen durch Zeit und Raum verbinden mag.

Brodskys künstlerisches Schaffen an den Schnittpunkten zwischen bildender Kunst, Dichtung und Menschenrechtsaktivismus ist in seiner persönlichen Geschichte und seiner direkten dramatischen Erfahrung staatlich unterstützten Terrors in Argentinien verwurzelt. Während der argentinischen Militärdiktatur (1976– 83) wurden sein bester Freund Martín Bercovich und sein jüngerer Bruder Fernando 1976 beziehungsweise 1979 entführt und verschwanden spurlos, ein traumatisches Erlebnis, das den Künstler dazu bewog, nach Barcelona ins Exil zu gehen, wo er bis zum Ende der Militärdiktatur und der Wiederherstellung der Demokratie in Argentinien lebte.

Brodsky, der viele Jahre lang eine Fotoagentur in Spanien und Lateinamerika besessen und geleitet hat, verwendet die Medien nicht nur als Inspirationsquelle. Vielmehr verwandelt er die Medien selbst in ein Kunstwerk. Der Künstler trifft unter in Dokumentenarchiven auf der ganzen Weltzusammengetragenen Fotografien eine Auswahl und manipuliert diese: Durch das Hinzufügen handschriftlicher Kommentare und das Hervorheben bedeutsamer Details mittels lebhafter, leuchtender Farben regt er einen Dialog zwischen den bereits zuvor bestehenden Schilderungen, die die Originalquellen liefern, und seiner eigenen Interpretation solcher Texte und Bilder an.

Die Poetik des Widerstandes vereint zwei größere Werkgruppen des Künstlers, die zwischen 2014 und 2019 entstanden sind:

1968. The Fire of Ideas, bestehend aus 55 bearbeiteten Archivfotos, die sich mit der internationalen Mobilisierung und den Protesten von Arbeitern und Studenten im Jahr 1968 beschäftigen, sowie die Folge von 15 Bilder, die sich auf den Prozess der Dekolonisierung in Afrika und seinen schrittweisen Übergang zur Unabhängigkeit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentriert.

Das Projekt umfasst auch zwei weitere, noch andauernde Recherchen Brodskys, die sich mit dem Widerstand gegen Franco in Spanien und mit der heute brennenden Migranten- und Flüchtlingsproblematik beschäftigen – wobei der Künstler zum allerersten Mal über aktuelle Themen reflektiert.

Indem er Anmerkungen und eindeutig nicht wertfreie Bildlegenden hinzufügt, erzählt Brodsky historische Episoden von größerem Aufruhr und Revolution nach: von den Protesten gegen den Vietnamkrieg in London bis hin zum Unabhängigkeitskampf des Kongo und den Aufständen infolge der Ermordung seines antikolonialistischen Premierministers Patrice Lumumba im Jahr 1961; von den Revolten der Studentenvereinigungen 1968 in Dakar, die von Präsident Léopold Senghor mehr politische Freiheit forderten, bis hin zu dem heftigen Notstand in Südafrika während des Kampfes gegen die Apartheid in den 1980er Jahren.

 

(Text: Valentina Locatelli - Poetics of Resistance)

 


 

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